Friedrich-Schiller-Gymnasium Pfullingen
Heute ist Mittwoch, der 24.05.2017

Aktuelles

 

 

 

Erstes Literarisches Gespräch mit Pfullinger Abiturienten in der Stadtbücherei Pfullingen


 

„Das Geheimnisvolle ist die Leere in der Mitte.“ Dieses Zitat aus Peter Stamms Roman „Agnes“ eröffnete am vergangenen Mittwoch das erste Literarische Gespräch in der Stadtbücherei Pfullingen unter der Leitung der Lehrerinnen Sabine Störk und Franziska Müller (beide Friedrich-Schiller-Gymnasium). Eingeladen waren Schülerinnen und Schüler der Kursstufe 2, die in wenigen Wochen ihr Abitur in Deutsch ablegen werden. Die Idee für die Kooperation des Friedrich-Schiller-Gymnasiums mit der Stadtbücherei entstand ursprünglich in einem Gespräch der Freunde der Pfullinger Stadtbücherei mit Vertretern des Jugendgemeinderats Pfullingen, die Veranstaltungen für ältere Schüler und Abiturienten anregten. Beate Hofmann, Mediothekarin am FSG und Beirätin der Freunde der Pfullinger Stadtbibliothek stellte den Kontakt zwischen FSG und Stadtbücherei her, woraufhin die Deutschlehrerinnen Sabine Störk und Franziska Müller die Planung und Umsetzung der Idee in Angriff nahmen. Ziel der Veranstaltung sollte sein, in einem außerschulischen Rahmen mit jungen Menschen ins Gespräch über Literatur zu kommen. Die Wahl fiel dabei auf „Agnes“, da es sich bei dem Roman um eine der Pflichtlektüren für das Deutschabitur handelt, wodurch für die geladenen Schülerinnen und Schüler ein hoher Mehrwert der Gesprächsrunde erzielt werden sollte.

 

 

Pünktlich um 18 Uhr konnte die Veranstaltung in den Räumen der Bücherei beginnen, wozu insgesamt 8 Schülerinnen und Schüler erschienen waren. Sabine Störk, Franziska Müller und Beate Hofmann zeigten sich hiervon beeindruckt, waren die Erwartungen für die Premiere doch eher niedrig. Zum Einstieg in das Gespräch dienten Rezensionen des Romans sowie von den Lehrerinnen mitgebrachte Gegenstände, die symbolisch auf den Roman verweisen sollten. Die Schülerinnen und Schüler positionierten sich zunächst zu den Buchbesprechungen, indem sie ihre Sicht auf den Roman formulierten. Schnell wurde klar, dass die Teilnehmer mitunter sehr unterschiedliche Perspektiven auf den Roman hatten, wodurch sich ein lebhaftes Gespräch über die Rolle der Protagonisten, den Verlauf der Handlung und die Motive der Entscheidungen entwickelte. Zentrale Themen waren dabei die Frage nach dem Verhältnis von Wirklichkeit zur Fiktion, die Rolle der subjektiven Wahrnehmung bei der Definition von Wahrheit sowie das Spannungsfeld von Selbst- und Fremdbestimmung in der modernen Gesellschaft. Diskutiert wurden außerdem die Bindungsunfähigkeit der Protagonisten des Romans und ihre Suche nach Identität, die sich besonders in der permanenten Spiegelung in Kameras zeigt. Dabei wurde deutlich, dass Agnes und der Ich-Erzähler, die Hauptfiguren des Romans, beide unter der „Leere in der Mitte“, der Sinnentleertheit des postmodernen Lebens, leiden, wobei Agnes diese Leere erkennt und dadurch im Gegensatz zum Ich-Erzähler eine Entwicklung durchläuft. Die Frage nach dem Sinn führte die Gesprächsrunde darüber hinaus zu dem Roman von Max Frisch, „Homo faber“, zu dem sich zahlreiche Parallelen in Motivik und Thematik erkennen ließen.

 

Am Ende des rund zweistündigen Literarischen Gesprächs stand dann die Frage über den Bedeutungsgehalt des Romans: Handelt es sich um ein Porträt des modernen Lebens und seine Unzulänglichkeiten oder doch nur um einen Roman über eine gescheiterte Beziehung? Eine abschließende Antwort blieb die Runde schuldig, was der Begeisterung der teilnehmenden Schülerinnen und Schülern jedoch keinen Abbruch tat. Schnell wurde deutlich, dass sich die Abiturienten weitere solcher Gesprächsrunden wünschten und ihre Teilnahme als vollen Erfolg bezeichneten. Auch die Lehrerinnen freuten sich über eine gelungene erste Veranstaltung, die allen Beteiligten viel Spaß bereitet hat. Weitere Veranstaltungen dieser Art werden die erfolgreiche Kooperation des Friedrich-Schiller-Gymnasiums mit der Stadtbücherei sicher fortsetzen.

 

Bericht: Franziska Müller

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