Efcharistó, Athína!
Anreisetag
Im letzten Schuljahr heißt es für die Schüler: Auf zur Studienfahrt! Auch in diesem Jahr standen vier europäische Reiseziele zur Auswahl, zwischen denen je nach Leistungskurs gewählt werden konnte. Unsere Wahl fiel auf Athen! Mit dabei waren 20 Schüler der KS2 sowie unsere Begleiterinnen Frau Lüdtke und Frau Roth. Voraussetzung für die Teilnahme war ein Leistungskurs in Deutsch, Sport oder Kunst.
Nach bereits 19 Schultagen seit Ende der Sommerferien hatten wir uns die Abwechslung redlich verdient. Am Freitag, dem 2. Oktober, hob unser Flug mit Aegean Airlines um 21:00 Uhr deutscher Zeit in Stuttgart ab. Am Samstag, dem 3. Oktober, landeten wir um 00:44 Uhr Ortszeit in Athen. Nach der Busfahrt zum Terminal und der Gepäckabholung begann unser erstes kleines griechisches Abenteuer: Bus voll – warten! Nächster Bus – endlich – aber wieviele Menschen wollen da rein?! Also quetschten wir uns samt Gepäck hinein und los ging die etwa einstündige Fahrt ins Zentrum Athens. Platz war Mangelware, sodass wir uns eher wie Ölsardinen in der Büchse als wie frisch gelandete Urlauber fühlten. Der anschließende Fußweg führte uns durch das windige nächtliche Athen, vorbei am Monastiraki-Platz und der Akropolis. Um 3:15 Uhr hatten wir es endlich geschafft und erreichten unser Hostel – die erste Nacht würde also eher kurz ausfallen!
Samstag
Wenig Schlaf, dafür jede Menge frische Luft: So starteten wir in unseren ersten Tag in Athen. Auf dem Programm stand zunächst der Nationalgarten, den Königin Amalia im 19. Jahrhundert anlegen ließ. Mit seiner großen Pflanzen- und Tiervielfalt bot er einen grünen Start in den Tag. Anschließend ging es zu weiteren historischen Highlights: Zuerst besichtigten wir das Panathinaiko-Stadion, eine Rekonstruktion des antiken Stadions, danach konnten wir das Gelände des Olympieions auf eigene Faust erkunden und passierten auf dem weiteren Weg das Hadrianstor. Im Akropolis-Museum bestaunten wir zahlreiche antike Statuen und Überreste historischer Gebäude.
Nach einer wohlverdienten Stärkung in den Restaurants der Stadt wartete das absolute Highlight: die Akropolis! Der lange, anstrengende Aufstieg, bei kräftigem Gegenwind und Sicht auf die beiden antiken Theater Oden des Herodes Attikus und Teater des Dionysos, brachte uns zwar ordentlich ins Schwitzen, doch oben wurden wir mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. Einen der historisch bedeutendsten Orte der Menschheitsgeschichte selbst zu erleben, war definitiv die Mühe wert!
Doch damit war der Tag noch lange nicht vorbei. Auf dem Rückweg schlenderten wir über den belebten Monastiraki-Platz, bevor ab 18:45 Uhr der restliche Abend zur freien Verfügung stand. Nach diesem vollgepackten Tag hatten wir uns die Freizeit redlich verdient!


Sonntag
Diesmal starteten wir deutlich ausgeschlafener, jedoch verspätet in den Tag und erkundeten zunächst den Flohmarkt. Dort gab es wirklich alles Mögliche zu entdecken: von Trikots und Kameras bis hin zu Antiquitäten und Sammlerstücken. Wer hier nichts fand, hatte vermutlich einfach noch nicht lange genug gesucht!
Anschließend schafften wir es leider nicht ganz pünktlich zum vielbesuchten Wachwechsel vor dem Parlament. Dort marschierten zahlreiche griechische Elitesoldaten, die Evzonen, in ihrer traditionellen weißen Kleidung im Gleichschritt entlang. Danach besuchten wir die Mitropolis, Athens wichtigste und ranghöchste orthodoxe Kirche. Auch bei der römischen Agora und dem Turm der Winde ging es geschichtsträchtig weiter. Neben alten Säulen gab es dort sogar schattige Sitzplätze – bei unserem Laufpensum durchaus willkommen!
Der größte Programmpunkt des Tages waren allerdings die Straßeninterviews. In Kleingruppen zogen wir durch die Stadt und befragten die Einwohner zu ihrem Leben in Griechenland. Besonders häufig wurden niedrige Gehälter, lange Arbeitszeiten und die angespannte politische Lage als Probleme genannt. Auch der zunehmende Tourismus, vor allem in Athen, wurde teilweise kritisch betrachtet. Positiv äußerten sich die Befragten hingegen über das Essen, die Verbundenheit mit dem eigenen Land und die Menschen. So bekamen wir spannende Einblicke in den griechischen Alltag – und konnten unsere Interviewkünste gleich praktisch testen!
Zum Abschluss ging es ins Industrieviertel Gazi. Unterwegs legten wir noch einen kurzen, nachdenklichen Halt an einem Holocaust-Denkmal und einen Zwischenstopp am antiken Friedhof Kerameikos ein. Danach war der Abend wieder frei gestaltbar. Viele nutzten die Gelegenheit, das Nations-League-Spiel Griechenland gegen Deutschland zu verfolgen – entweder in der Stadt oder ganz entspannt in der Rooftop-Bar unseres Hostels. Fußball, Dachterrasse und Athen: Was will man mehr?
Montag
Ab an die Küste: Am Montag führte uns unser Weg zunächst nach Piräus. Unterwegs kamen wir unter anderem am Karaiskakis-Stadion vorbei, der Heimstätte von Olympiakos Piräus. Anschließend fuhren wir mit dem Bus nach Perama, einem Ort, der stark vom Hafen Piräus geprägt ist. Von dort nahmen wir die Fähre durch die historisch bedeutende Meerenge von Salamis. Hier errangen die Griechen vor etwa 2.500 Jahren einen wichtigen Sieg gegen die Perser. Geschichtsunterricht einmal direkt vor Ort! Auf der Insel Salamis angekommen, legten wir zunächst unsere Mittagspause ein.
Zurück auf dem Festland ging es mit Bus und Bahn nach etwa zwei Stunden endlich an den Strand. Zwar mussten wir Eintritt bezahlen, dafür waren die Verpflegungsmöglichkeiten bestens und der Strand angenehm leer. So konnten wir nach den vielen Besichtigungen endlich ins Wasser springen oder einfach in der Sonne entspannen. Ein paar Stunden Strand statt antiker Steine taten definitiv gut! Bis zum Sonnenuntergang genossen wir die entspannte Atmosphäre, ehe wir am späteren Abend mit Bus und Tram zurückfuhren.



Dienstag
Der Dienstag begann in der Gegend des Zentralmarktes, die wir über die Evripidou-Straße erreichten. Sie wird auch als „Magen von Athen“ bezeichnet – und das völlig zu Recht: In den zahlreichen Läden gab es unzählige Gewürze und andere Waren zu entdecken. Ein Paradies für alle, die gern stöbern und Neues kennenlernen!
Anschließend fuhren wir mit der Metro zur Hilfsorganisation Nea Zoi, griechisch für „Neues Leben“. Sie setzt sich für Frauen aus aller Welt ein, die in Athen zur Prostitution gezwungen werden und Opfer von Menschenhandel oder Zuhälterei geworden sind.
Zunächst trafen wir die Mitarbeiterinnen in ihrem Arbeitsgebäude. Danach erkundeten wir in Kleingruppen das Prostituiertenviertel. Dabei wurde uns auf erschütternde Weise bewusst, wie alltäglich Prostitution in diesem Stadtteil ist. Die Bordelle lagen so unauffällig in den Gassen, dass wir sie ohne die Hinweise der Mitarbeiterinnen kaum bemerkt hätten. Hinter diesen unscheinbaren Türen erfahren Menschen tagtäglich großes Leid – ein Erlebnis, das uns sicher in Erinnerung bleiben wird.
Unsere Süßigkeitenspende, für die jeder im Vorfeld abgepackte Süßigkeiten mitgebracht hatte, kam bei den Mitarbeiterinnen sehr gut an. Zusätzlich konnten wir Schmuck kaufen, dessen Erlös den betroffenen Frauen finanziell zugutekam. So konnten wir mit kleinen Gesten zumindest einen kleinen Beitrag leisten.
Nach der Mittagspause stand das Archäologische Museum Athen auf dem Programm. Bereits von außen beeindruckte uns das Gebäude, dessen Architektur uns besonders an das Brandenburger Tor erinnerte. Im Inneren gab es riesige antike Vasen, Büsten und zahlreiche weitere archäologische Funde zu bestaunen. Langweilig wurde es bei so vielen historischen Schätzen jedenfalls nicht!
Um 17:30 Uhr machten wir uns schließlich auf den Weg zum Lykabettos-Hügel. Nach einer weiteren langen und anstrengenden Wanderung von etwa 50 Minuten wurden wir mit einer Aussicht belohnt, die sogar die der Akropolis übertraf. Der Aufstieg hatte sich also wieder einmal gelohnt! Mit diesem beeindruckenden Ausblick ließen wir den Tag ausklingen.
Mittwoch
Es war so weit: Unser zweiter und leider auch letzter Strandtag stand an! Mit der Metro fuhren wir vom Syntagma nach Elliniko und von dort weiter nach Saronida. Das Einsteigen in den Bus erwies sich zunächst als etwas stressig. Dabei verloren wir zwischenzeitlich sogar Janne, Albion und Frau Roth. Doch keine Panik: Nach nur neun Minuten konnten die drei den nächsten Bus nehmen, und am Ende waren wir wieder komplett. Auch kleine Abenteuer gehören eben dazu!
Von der Station Saronida liefen wir Richtung Vouliagmeni zu einem kleinen Küstenstrand. Zuvor besichtigten wir einen Thermalsee, dessen natürliche Kulisse aus Felsen und warmem Wasser bereits beeindruckte. Der Strand bestand zwar aus Steinen statt aus Sand, dafür war das Wasser wunderbar klar. Wer also auf weichen Sand verzichten konnte, kam hier voll auf seine Kosten!
Bis zum späten Nachmittag genossen wir die Zeit am Wasser. Anschließend fuhren wir mit Bus und Metro zurück zum Syntagma-Platz. Dort angekommen, konnten wir den restlichen Tag nach Lust und Laune gestalten – schließlich sollte auch die Freizeit nicht zu kurz kommen.
Donnerstag
Am Donnerstag stand der zweite Teil unserer Besichtigung historischer Stätten auf dem Programm. Zunächst besuchten wir die Hadriansbibliothek nahe dem Monastiraki-Platz. Sie wurde vom römischen Kaiser Hadrian gestiftet und besaß ursprünglich drei Stockwerke, von denen zwei erhalten sind. Mit ihren zahlreichen Papyrusschriften galt sie als bedeutender Wissenskomplex – eine antike Bibliothek, die sich sehen lassen konnte!
Beim Verlassen der Anlage wartete allerdings noch eine ganz andere Begegnung auf uns: ein regelrechter Schildkrötenkampf! Nach etwas Kratzen und Beißen griff Mara netterweise ein und rettete die angegriffene Schildkröte. Damit hatte der Tag bereits sein tierisches Highlight.
Danach ging es zur antiken Agora. Eine Agora ist ein Marktplatz, und genau darum handelte es sich auch hier: um einen historischen Marktplatz mit Nachbauten und Überresten antiker Gebäude. Wir hatten 45 Minuten Zeit, um das Gelände rund um den Hephaistos-Tempel, einen der besterhaltenen antiken Tempel, in Kleingruppen zu erkunden.
Anschließend bestiegen wir den Nymphenhügel und konnten die Pnyx aus nächster Nähe besichtigen. Sie diente zur Zeit der attischen Demokratie als Ort der Volksversammlung. Der nach den Nymphen aus der griechischen Mythologie benannte Hügel bietet eine schöne Aussicht. Auch vom Philopapposhügel mit seinem Monument ließ sich ganz Athen überblicken – beste Voraussetzungen für weitere Erinnerungsfotos!
Der nächste Halt war das sogenannte Gefängnis des Sokrates, eines der berühmtesten Philosophen des antiken Griechenlands. Sokrates wurde zum Tode verurteilt, weil man ihm vorwarf, die Jugend zu verderben und die Götter nicht zu ehren. Das Gefängnis besteht aus einem in den Fels gehauenen Bereich mit einigen Gittern. Vermutlich könnte Sokrates dort gefangen gehalten worden sein. Der Überlieferung zufolge lehnte er Befreiungsversuche seiner Freunde aus persönlicher Überzeugung ab.
Zum Abschluss besuchten wir die Stadtviertel Anafiotika und Plaka, die mit ihrer besonderen Architektur und Geschichte ebenfalls einiges zu bieten hatten. Ab der Mittagszeit begann unsere Freizeit. Damit blieb uns noch die zweite Tageshälfte, um Athen auf eigene Faust zu genießen.
Freitag (Abreisetag)
Kaum zu glauben, aber unsere letzte Etappe stand bereits bevor: die Heimreise! Am Morgen packten wir unsere Koffer, räumten die Zimmer auf und lagerten unser Gepäck im Hostel. Anschließend besuchten wir ein letztes Mal den Zentralmarkt, der zugleich den letzten Programmpunkt unserer Studienfahrt bildete. Von dort konnten wir die Stadt noch einmal in unserem eigenen Tempo erkunden, bevor wir uns gegen 14:05 Uhr mit dem Gepäck auf den Weg zum Flughafen machten.
Da wir ziemlich früh ankamen, blieb uns nach der Sicherheitskontrolle noch etwa eine Stunde, um den Flughafen individuell zu erkunden. Ab 17:40 Uhr saßen oder standen wir im Bus, der uns zum Flugzeug brachte. Gegen 18:20 Uhr hob unsere Maschine von Aegean Airlines schließlich ab. Um 19:37 Uhr deutscher Zeit landeten wir wieder in Stuttgart. Nach der Busfahrt zum Terminal holten wir unsere Koffer vom Gepäckband. Damit war unsere Studienfahrt endgültig vorbei – und wir wurden ins Wochenende entlassen. Eine Woche voller Eindrücke lag hinter uns, auch wenn wir uns vermutlich alle noch an das viele Laufen erinnern werden!
Fazit
Hinter uns lag eine aufregende, abwechslungsreiche und lehrreiche Woche in der griechischen Hauptstadt. Wir haben historische Stätten erkundet, beeindruckende Aussichten genossen, Einblicke in den griechischen Alltag gewonnen und natürlich auch viel Zeit am Strand verbracht. Zwar mussten wir teilweise ordentlich Kilometer sammeln, doch blieb genügend Zeit zum Entspannen und Erkunden auf eigene Faust.
An ihrer Pünktlichkeit müssen einige von uns vielleicht noch arbeiten – aber hey, wir waren schließlich in Athen! Insgesamt haben wir die Woche in der Akropolis-Stadt sehr genossen, viele neue Eindrücke gesammelt und einiges gelernt. Zwischen antiken Tempeln, Meeresrauschen, Straßeninterviews und kleinen chaotischen Momenten war für jeden etwas dabei.
Efcharistó, Athína – für eine unvergessliche Woche!
Bericht: Jose Bosch, Kursstufe 2
